Ein Mensch auf der Bühne
01. März 2010, 20:19 von Theater Mär
Wlieder eine Begebenheit bei einem Auftritt in den letzten Tagen mit der "Königin der Farben"
Der Erzähler: …. aber das Grau ließ sich nichts befehlen. Es blieb. Die Traurigkeit kroch in die Königin wie das Grau. - So verging eine lange Zeit. Die Königin der Farben war keine Königin mehr. (Der Erzähler nimmt der Königin die Krone ab) Sie war nicht mehr sanft, nicht mehr wild, nicht mehr warm … nur noch traurig." -
Zuruf eines Kindes aus dem Publikum: "Jetzt ist sie ein Mensch".
Mensch, weil sie nicht mehr Königin ist?
Mensch, weil sie jetzt traurig ist?
Mensch, weil man ihr die Verkleidung (Krone) genommen hat?
Wer weiß es?
Kleine Welten
17. Februar 2010, 16:40 von Theater Mär
so nannte der Maler Wassily Kandinski eine Grafik-Serie, die er Anfang des letzten Jahrhunderts schuf. Die Arbeiten waren mit die ersten abstrakten Bilder überhaupt, die gemalt wurden.
Unter dem Titel "Kandinsky - Punkt, Punkt, Komma, Strich" hat Theater Mär ein Konzept für ein Kindertheaterstück entwickelt, das für ganz kleine Zuschauer ab 3 Jahre gedacht ist. Es beabsichtigt mit den abstrakten, malerischen Mitteln von Kandinski und viel Schauspiel eine assoziative Geschichte für kleine Zuschauer ab 3 Jahre und ihre erwachsenen Begeleiter zu erzählen. Spannend wird sein, wieviel abstrakte Ausdrucksmittel von kleinen Kindern schon (oder noch) verstanden. Wir freuen uns, dass die Hamburger Kulturbehörde dieses Projekt von Theater Mär finanziell unterstützt.
Angeregt zu diesem Stück wurden wir durch das Kindertheaterstück "Der Hundertwisser" von Terese Tomaschke vom Theater Bautzen, das eine wunderschöne Inszenierung über Friedensreich Hundertwasser zeigt.
In diesem Zusmmenhang die Frage ins Netz: Gibt es noch andere Kindertheaterstücke, die einen Maler zum Thema haben? - Wer weiß, vielleicht ist dies dann die Initialzündung für ein Theaterfestival der Maler.
Anleitung zum Nicht-traurig-sein
08. Februar 2010, 17:55 von Theater Mär
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Wir spielen "Die Königin der Farben" vor einem gemischten Publikum von Kindern und Erwachsenen:
Nachdem die Untertanen der Königin, die Farben Blau, Rot, Gelb vorgestellt worden sind und die Zuschauer erfahren haben wie die Königin die Farben befehligen kann, kommt es zum Streit und es vermischen sich alle Farben zum Grau.
Wörtlich weiter:
Erzähler: „……aber das Grau ließ sich nichts befehlen. Es blieb. Die Traurigkeit kroch in sie (die Königin) hinein wie das Grau.
Kinderzuruf aus dem Publikum: Du mußt das Grau lieb haben.
Geht nicht
27. August 2009, 19:12 von Theater Mär
Vor einigen Tagen hatten wir eine Voraufführung unserer neuen Produktion:"Flohzirkus" in einer Kita. Unsere Theatergeschichte ist fast am Ende und Otto der Erzähler läd versönlich ein: " …und dann machen wir alle zusammen eine Zirkusreise durch Amerika." - Kommt aus dem Publikum: "Geht nicht: Ich werde gleich abgeholt."
Echt ? !
16. Juli 2009, 20:27 von Theater Mär
Neulich erzählte mir ein Kindertheater-Kollege eine Begebenheit, die er als Zuschauer einer Zirkusveranstaltung erlebte. Vor ihm ein Kind mit seiner Mutter. Hoch oben in der Zirkuskuppel machen Artisten in hautengen, schillernden Kostümen ihre Kunststücke. Nach einer Weile staunender Betrachtung das Kind zur Mutter: "Können das auch echte Menschen?" - Die Antwort der Mutter ist nicht berichtet.
Das mit der Echtheit scheint Kinder im Theater immer wieder zu beschäftigen. Manches Mal bin ich nach der Aufführung schon gefragt worden, ob ich echt bin. Oder es passierte mitunter während des Spiels nah am Publikum, das ein kleiner Finger tastend und testend gegen meinen Körper drückt um wohl herauszufinden, wer oder was "echt" hinter dem Kostüm, der Rolle, der Figur steckt.
Theaterblut
17. Dezember 2007, 14:44 von Theater Mär
Heute berichtet Rainer Kolbe von den (Un-)Möglichkeiten eines Theaterbesuchs mit Kind.
Die Adventszeit ist die Zeit der glänzenden Kinderaugen. In ihnen spiegelt sich schon der Glanz der ersten Weihnachtsbaumkugeln. Aber noch ist es ja nicht soweit, ein paar Tage sind’s noch. Tage, die wir kindgerecht füllen wollen.
Vom Weihnachtskonzert für die Großen war hier zu lesen, vom Besuch des Weihnachtsmarkts für die ganze Familie auch – heute soll der Tag ganz allein den ganz Kleinen gehören. Und was gehört in die Adventszeit und ist speziell für die Kinder gedacht? Auch klar: Das Weihnachtstheater.
Da will ich also – gerade in der ganz großen Stadt auf Familienbesuch – meiner Vierjährigen einen vorweihnachtlichen Theaterbesuch gönnen und wähle das Stück „Die Königin der Farben“. Das ist zwar völlig unweihnachtlich, aber sehr schön, und das Kind kennt das Buch schon.
Da stehen wir also an der Kasse, mein Stöpselchen und ich und werden Zeuge, wie eine Mutter vor uns in der Reihe eine Karte für ihr eigenes Stöpselchen kaufen möchte. Das ist allerdings noch ein sehr kleines Stöpselchen. Nachfrage der Kassendame nach dem Alter des Kindes. „Meine Tochter ist zweidreiviertel Jahre alt!“ Einwände der Kassendame, das Stück sei erst ab vier Jahre gedacht. „Oooch, die ist schon viel reifer als die anderen Zweidreivierteljährigen in der Krippe, das geht schon!“ Nein, das geht nicht, denn es fließt da Blut auf der Bühne.
Das sagt die Kassendame so natürlich nicht, aber sie zögert sichtlich, das macht sie sympathisch. Nicht verkaufen um jeden Preis. Eine Theaterkasse ist keine Drückerkolonne. Doch die Mutter ist nachdrücklich und bekommt, was sie will, eine Karte für ihre ach so große Zweidreivierteljährige.
Das Stück beginnt, und nach neun Minuten Bühnengeschehen muss eine Zweidreivierteljährige laut schluchzend aus dem kleinen Theatersaal getragen werden.
Denn es fließt da Blut auf der Bühne. Zumindest sieht es so aus für eine Zweidreivierteljährige, wenn das wilde und gefährliche „Rrrrrrrrooooooootttt!!!“ auf die Bühne kommt. Wenn Sie das Buch kennen, wissen Sie, was ich meine.
Merke: Wenn irgendwo drauf steht „ab vier Jahre“, dann ist das auch erst ab vier Jahre. Übrigens, das Stück „Die Königin der Farben“ auf der kleinen Bühne des Altonaer Theaters in Hamburg ist so gut wie ausverkauft. Pech. Doch nebenan auf der großen Bühne läuft „Meisterdetektiv Blomquist“. Das ist aber erst ab fünf Jahre, da werden Sie es richtig schwer haben mit Ihrer Zweidreivierteljährigen…
“Pfffannescho!”
09. Oktober 2007, 17:48 von Theater Mär
Heute Auftritt in Hamburg-Billstedt im Kulturpalast. Sehr aufgeweckte Kinder, die am liebsten einzeln angesprochen werden wollen und mit riesiger Neugier der Geschichte vom Maulwurf Grabowski folgen. Viel Lachen, viel Beteiligung. Nach dem Stück spricht mich ein Junge von ca. 4-5 jahren an und sagt:" Pfffffannnescho" und ich frag noch einmal nach, weil ich nicht verstanden habe. Er nachdrücklich: "Pfaaannnneeeschooo!"- Ich frag ihn noch zweimal und komme nicht dahinter was er meint, und gehe dann schließlich mit ihm zu seiner Erzieherin, der er noch einmal das besagte Wort sagen soll. Nach weiteren drei Versuchen kommen wir endlich dahinter, er meint:"Pannenschow" und bekräftigt noch zusätzlich "Ups-die Pffannnenscho"-"Nein" sagt die Erzieherin,"ich habe euch doch vorher gesagt, dass wir ins ´Theater´gehen." Es hatte in meiner Aufführung keine ersichtliche Panne gegeben, so daß ich -nach dem freudigen Gesicht des Jungen geurteilt- glaube: Er wollte mir mitteilen, daß ihm meine Aufführung viel Spaß gemacht hat, genauso wie ihm die "Pannenshow" Spaß macht, folglich war es, was er gesehen hat eine "Pfffannnescho" - so ist das mit den Worten, die man mit etwas verbindet.
Stinkende Rache am Kindertheater
02. Mai 2007, 20:04 von Theater Mär
Ein Schauspielkollege ist an einem festen Haus engagiert und spielt übers Jahr im Abendprogramm für Erwachsene. Wie es so üblich ist, besinnt sich das Theater zur Weihnachtszeit darauf, dass man auch etwas für Kinder anbieten sollte. Es steht das alljährliche „Weihnachtsmärchen“ an und der Kollege wird verpflichtet mitzuspielen. Was ihm überhaupt nicht gefällt, da er als Schauspieler Kindertheater und alles was dazugehört –ob Stückvorlage oder die kindlichen Zuschauer- hasst.
Nach einigen Weihnachtsmärchen-Auführungen kommt ihm endlich die zündende Idee für eine angemessene Rache für seine Qual auf der Bühne: An einer Stelle im Stück, als es darum geht dem Helden der Geschichte Glück zu wünschen, ergreift er die Chance und wendet sich direkt an sein wenig geschätztes Publikum: „Jetzt wollen wir ihm (dem Helden) alle zusammen Glück wünschen und dafür ganz fest die Daumen drücken. Macht alle dafür mit beiden Händen eine Faust und drückt so stark ihr könnt – aber wirklich so stark wie ihr könnt. Eins.. zwei …. D r e i !“ —- Zu seiner Freude musste diese Vorstellung wenig später wegen starker Geruchsentwicklung abgebrochen werden, da eine nicht unerhebliche Anzahl der Kleinkinder beim engagierten Daumendrücken in die Hose geschissen hatte.
Vielleicht ist diese Geschichte eine moderne Sage, aber sicher eine anschauliche von der „Bühne vor der Bühne“
Peter.
Ein Dreiecksverhältnis
26. April 2007, 14:30 von Theater Mär
Für das „Kindertheater des Monats Schleswig-Holstein“ schreiben die teinehmenden Theater -und auch die Veranstalter- im Anschluss an die Tournee einen Tourbericht. Im Herbst 06 waren wir mit unserem Kinderliederprogramm "Haste Töne" unterwegs.
Da ich schon auf vorangegangenen Touren jeden einzelnen Spielort ausgiebig besprochen habe, finde ich es dieses Mal interessant auf einer übergeordneten Ebene über die Faktoren zu schreiben, die zum Gelingen einer Kindertheateraufführung beitragen. Diese Faktoren werden von den drei Beteiligten Gruppen: dem Künstler, dem Veranstalter und dem Zuschauer maßgeblich bestimmt. Gemeinsam gehen diese drei beteiligten Gruppen oder Einzelpersonen mehrere Abmachungen ein, die -mal mehr, mal weniger- offen ausgesprochen sind. Die Zufriedenheit des einzelnen Beteiligten ist unmittelbar abhängig von der Zufriedenheit der anderen. Es besteht somit zwischen Künstler, Veranstalter und Zuschauer ein fiktiver Dreiecksvertrag der maßgeblich für das Gelingen einer Veranstaltung verantwortlich ist. D.h. alle Beteiligten beim Kindertheater sind abhängig voneinander, und ein Erfolg wird an der Zufriedenheit jedes einzelnen mit der Veranstaltung gemessen. Das gilt sowohl während als auch vor und nach der Aufführung.
Es folgt eine Liste der Aspekte, die nach meiner persönlichen Einschätzung die Zufriedenheit der Beteiligten einer Kindertheaterveranstaltung bestimmen.
Der Kreis der Zufriedenheit
Der kindliche bzw. der erwachsene Zuschauer ist zufrieden, wenn
- er mit einem schönen Plakat oder anderem Werbematerial rechtzeitig von der Veranstaltung erfährt
- ihn das Thema interessiert
- der Eintrittspreis und die Veranstaltung in einem angemessenen Verhältnis stehen
- er freundlich beim Ein- und Auslass behandelt wird
- die Räumlichkeiten und die Sitzmöglichkeiten angenehm sind
- er Spaß hat bzw. sein Begleiter Spaß hat
- die Aufführung ihm nützliche Erkenntnisse bringt
- er ein Souvenir mit nach haus nehmen kann
- das Theaterstück länger nachwirkt
- er spürt, dass der Künstler sich wohl fühlt
Der Veranstalter ist zufrieden, wenn
- die Buchung und die Vorabsprachen gut liefen
- das Werbematerial zweckmäßig und ansprechend ist
- der Veranstaltungsraum sauber und benutzbar ist
- der Aufbau für das Theaterstück unkompliziert ist
- die Künstler unkompliziert sind
- er das Gefühl hat sich auf den Künstler verlassen zu können
- viele Zuschauer kommen
- es viele Stammgäste gibt und er Besucher wieder erkennt
- die Zuschauer rechtzeitig kommen
- viel Geld eingenommen wird
- der Abbau seinen Wünschen entspricht
- er das Gefühl hat eine gute Wahl getroffen zu haben
- die Zuschauer zufrieden sind
- der Künstler zufrieden ist
Der Künstler ist zufrieden, wenn
- die Anfahrt ruhig war
- er freundlich empfangen wird
- er einen passenden und sauberen Bühnen-, Umkleide- und Zuschauerraum vorfindet
- eine gute Betreuung durch den Veranstalter hat
- der Aufbau des Theaterstücks unkompliziert ist
- die kindlichen Zuschauer nicht zu lange im Zuschauerraum bis Vorstellungsbeginn warten müssen
- er ein klares Zeichen für den Spielbeginn bekommt
- die Zuschauer auf das Spiel so reagiert, wie er sich das wünscht
- die Absprachen mit dem Veranstalter klappen
- der Abbau angenehm ist
- die Gage angemessen ist
- die Unterkunft stimmt
- es eine Besprechung der Aufführung in den Medien gibt, die ihm zugänglich gemacht wird
- wenn die Zuschauer zufrieden aus der Veranstaltung gehen
- wenn der Veranstalter mit der Veranstaltung zufrieden ist
Diese Liste ist aus meiner ganz persönlichen Perspektive geschrieben und ich freue mich über weitere Ergänzungen durch Kollegen und Veranstalter auf dem Theater Mär – Weblog
Peter
Ein ungewöhnlicher Fisch
19. April 2007, 15:54 von Theater Mär
Neues von der Bühne vor der Bühne;
Vor Jahren hatten wir "Das Märchen vom Fischer und seiner Frau" im Repertoire. Das Stück wurde von einer Frau und einem Mann gespielt, wobei die weibliche Darstellerin neben der Fischersfrau auch noch die Rolle des Wunderfisches -des Butts- übernahm. Seinerzeit spielte ich das Stück mit einer Kollegin, die eine etwas größere Oberweite hatte und gern auch zu dieser stand.
Eines Tages mußten wir vor Schulkindern der ersten und zweiten Klassen unser Stück vom Fischer und seiner Frau ebenerdig, sehr nah bei den Kindern spielen. Als nun wiederholt der Butt, vornübergebeugt, gespielt von meiner fülligen Kollegin in Erscheinung trat, da kam es aus dem Publikum:" Sieh mal den Tittenfisch!"- Meine Kollegin hatte diese Bemerkung nicht registriert und war nur herzlich amüsiert als ich ihr später davon berichtete.